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Ein Formel-Lenkrad mit Kraftrückmeldung, eine Bremse mit einstellbarem Widerstand, daneben ein echter Rennwagen: Die SimRacing Expo 2026 zeigte, wie eng digitale Rennstrecke und Motorsporttechnik inzwischen verbunden sind. Vom 16. bis 18. Oktober fand die Messe erstmals in Frankfurt am Main statt. Nach Angaben des Veranstalters kamen 29.580 Menschen in Halle 12 der Messe Frankfurt. Das war ein neuer Besucherrekord.
Der Umzug aus Dortmund war mehr als ein Ortswechsel. Auf über 14.000 Quadratmetern trafen Hersteller von Lenkrädern, Pedalen und Simulatoren auf Entwickler von Rennspielen, Rennteams und eine Community, die Fahrphysik oft ebenso kritisch diskutiert wie echte Motorsportfans Reifenmischungen. Die Organisatoren bezeichnen die SimRacing Expo als weltweit größte Messe ihrer Art. Frankfurt zeigte jedenfalls, wie spezialisiert die Branche ist.
Warum Simracing nicht einfach ein Rennspiel ist
In einer Rennsimulation zählt nicht allein, wer eine Strecke auswendig kennt. Entscheidend sind auch reproduzierbare Bremspunkte, das Gespür für die Haftungsgrenze und der Umgang mit einem Fahrzeug, dessen Verhalten möglichst plausibel berechnet wird. Gute Simulationen machen diese Unterschiede nachvollziehbar, können aber reale Rennerfahrung nicht vollständig ersetzen.
Zum E-Sport wird daraus erst ein Wettbewerb mit verbindlichem Reglement: Streckenbegrenzungen, Fahrzeugklassen, Strafen und gegebenenfalls festgelegte Fahrzeugeinstellungen schaffen vergleichbare Bedingungen. Ohne solche Regeln wären Rundenzeiten kaum vergleichbar. Die Simulation liefert die Grundlage; das Reglement macht daraus einen Wettbewerb.
Das trennt virtuellen Motorsport auch von zufallsbasierten Spielformen: Bei Lotterien, wie sie Lotto BW anbietet, entscheidet eine Ziehung über das Ergebnis. In Simracing-Wettbewerben werden hingegen Fahrleistung, Regelverstöße und Platzierungen gewertet. Zufällige Ereignisse wie wechselndes Wetter können Rennen beeinflussen, ersetzen aber nicht das fahrerische Können. Genau diese Mischung aus Software, Technik und sportlichem Regelwerk prägte die Messe.
Was in Frankfurt tatsächlich zu sehen war
Einer der auffälligsten Programmpunkte kam von KUNOS Simulazioni. Die Entwickler machten den Free-Roam-Modus von Assetto Corsa EVO erstmals öffentlich erlebbar. Statt ausschließlich vorgegebene Runden auf einer Rennstrecke zu fahren, lassen sich darin Straßen rund um die Eifel erkunden. Der Ansatz erweitert das klassische Simracing um eine frei befahrbare Umgebung. Auch Top Gear berichtete nach einem eigenen Test über den deutlichen Unterschied zum üblichen Rundstreckenbetrieb.
Daneben standen konkrete Hardware-Neuheiten. Fanatec zeigte unter anderem den Lenkrad-Prototyp „Project Obsidian“ mit integriertem Fünf-Zoll-Bildschirm. Asetek stellte das GT-Nova-Lenkrad vor; bei Simucube rückten aktive Pedalsysteme in den Mittelpunkt, die mit einem bürstenlosen Servomotor ausgestattet sind. Solche Vorführungen verdeutlichen, wohin sich die Entwicklung bewegt: weg von reiner Nachbildung der Cockpitoptik, hin zu differenzierter Rückmeldung über Lenkung und Pedalerie.
Allerdings ist eine kurze Probefahrt am Messestand kein belastbarer Produkttest. Sitzposition, Fahrzeugeinstellungen, Bildschirmaufbau und Software beeinflussen den Eindruck erheblich. Mehr Lenkkraft bedeutet nicht automatisch mehr Präzision. Ebenso sagt der Preis eines beweglichen Cockpits wenig darüber aus, wie gut es Bremsen, Bodenwellen oder Lastwechsel vermittelt. Die Expo bot Vergleichsmöglichkeiten, aber keine kontrollierten Laborbedingungen.
Bei Pedalen zeigt sich der Unterschied besonders deutlich. Ein einfacher Wegsensor registriert, wie weit das Pedal gedrückt wird; ein Kraftsensor erfasst dagegen den ausgeübten Druck. Aktive Systeme können zusätzliche Widerstände oder wechselnde Pedalgefühle erzeugen. Was sich davon tatsächlich in ein konsistentes Fahrgefühl übersetzt, hängt ebenso von Kalibrierung, Softwareunterstützung und persönlichen Einstellungen ab wie von der Hardware selbst.
Bühne, Wettbewerbe und echte Rennfahrzeuge
Das dreitägige Programm setzte unterschiedliche Schwerpunkte. Am Freitag standen Produktvorstellungen im Vordergrund. Samstags folgten Gespräche mit Vertretern der Rennspielszene und des Motorsports sowie der europäische Ausscheidungswettbewerb der FIA eSports Global Rally Tour. Sonntags rückten unter anderem die Finalrennen von RENNSPORT R1 und eine eNASCAR-Vorführung ins Programm. Der offizielle Ablaufplan der Expo dokumentiert die einzelnen Programmpunkte.
Gerade diese Aufteilung zeigte, dass eine Simracing-Messe mehr leisten muss als neue Geräte auszustellen. Präsentationen liefern erste technische Angaben, Gespräche erklären Entwicklungsentscheidungen, Rennen zeigen Software unter Wettbewerbsbedingungen. Ein gutes Bühnenprogramm beweist allerdings keine Produktqualität. Erst unabhängige Tests und längere Nutzung erlauben eine solide Bewertung.
Zwischen den Simulatoren standen auch echte Fahrzeuge und Motorsportmarken, darunter Porsche, Aston Martin und Mercedes-AMG. Das war nicht bloß Kulisse. Der direkte Vergleich machte sichtbar, welche Elemente virtuelle Cockpits glaubwürdig übertragen können und wo Grenzen bleiben. G-Kräfte, körperliche Belastung und das Risiko eines realen Rennens lassen sich am heimischen Simulator schließlich nicht real abbilden.
Was der Besucherrekord bedeutet
Bereits 2025 hatte die SimRacing Expo in Dortmund laut Veranstalter 24.371 Gäste erreicht. Die Frankfurter Ausgabe legte mit 29.580 deutlich zu. GamesWirtschaft bestätigte die veröffentlichte Bilanz am 21. Oktober. Das belegt ein gewachsenes Messepublikum, aber nicht automatisch einen entsprechenden Anstieg der Umsätze oder der aktiven Simracing-Spieler. Aus Besucherzahlen allein lässt sich die Größe eines gesamten Marktes nicht ableiten. Bemerkenswert ist vielmehr, dass die Expo sehr verschiedene Interessen zusammenführte: technische Detailarbeit an Pedalen und Lenkrädern, neue Spielkonzepte, organisierte Wettbewerbe und die Nähe zum realen Motorsport. Für 2027 ist eine Rückkehr nach Frankfurt angekündigt. Die Ausgabe 2026 hat bereits gezeigt, dass virtuelle Rennsimulationen längst ein eigenständiges Messethema sind und nicht nur ein Randbereich allgemeiner Spieleveranstaltungen.

