
Eine Postkarte als Eintrittskarte zur Großen Damensitzung der Ersten Hanauer Carnevalgesellschaft am 1. Januar 1904 erinnert im Stadtarchiv an eine närrische Aufführung vor rund 120 Jahren. Die Karte, zugleich Ansicht und Nachricht, berichtet von einem vergnüglichen Abend und liefert zugleich Einblicke in das kulturelle Leben der Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Die Karte und ihr Bild
Bei dem Stück handelt es sich um eine Eintrittskarte in Form einer Postkarte, gedruckt bei Lichtdruck C. F. Fay in Frankfurt am Main. Auf dem Foto sind Vertreter des Vereins in feierlicher Haltung zu sehen. Ob Vorstand und Prinz Carneval den Verlauf der Sitzung ebenso ernst verfolgten wie auf dem Bild, lässt sich heute nicht mehr sicher sagen. Der Text auf der Karte berichtet von Frauen, die „heute Nacht Neujahr gefeiert haben“ und ab „6.03 Uhr“ weiter ausgelassen gewesen seien. Als Motto ist zu lesen: „Kinder und Narren darüber ist Klarheit, sagen in Hanau immer die Wahrheit“.
Zeitungsbericht dokumentiert Ablauf der Sitzung
Martin Hoppe vom städtischen Fachbereich Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen fand im Hanauer Anzeiger vom 2. Januar 1904 einen ausführlichen Bericht zur Veranstaltung im Saal zum Deutschen Haus in der Steinheimer Straße. Dem Bericht zufolge schwang Prinz Carneval das Zepter und das Programm bestand aus zahlreichen Vorträgen und Tanznummern, die beim Publikum Beifall fanden. Besonders hervorgehoben wurden die Nummern „Unsere Über Jugend“ mit Kindern im Alter von acht bis zehn Jahren und die Szene „Ein Faschingsspuk“.
Der Zeitungsartikel beschreibt weiter, wie eine Lokalszene der Verfasserin Hanovia die Brüder Grimm und Graf Philipp Ludwig von ihren Sockeln steigen lässt, um ein geistreiches Gespräch zu führen. Die Aufführungen wurden mit Orden bedacht und das Programm schloss mit Vorträgen der Ulanenkapelle, bevor der Tanz eröffnet wurde.
Historischer Kontext und Überlieferung
Die Erste Hanauer Carnevalgesellschaft war bereits am 1. Januar 1893 gegründet worden und ging aus dem Hanauer Reitclub hervor. Sie entstand im selben Jahr wie der lokale Fußballverein FC 93. Der Druck der Karte weist auf Carl Friedrich Fay als Fotograf und Verleger hin. Fay wurde bekannt durch seine Bildbände „Bilder aus dem alten Frankfurt“ und lebte von 1853 bis 1918.
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